Stimmen für Berliner Klimabürger:innenrat/ Keyenberg darf nicht sterben!

Liebe Leser*innen meines Blogs,

wenn ihr mindestens 16 Jahre alt seid und mit alleiniger Wohnung oder mit Hauptwohnung in Berlin im Melderegister verzeichnet seid :-).., dann
unterstützt bitte die Volksinitiative für einen Klimabürger:innenrat vom Klimaneustart Berlin mit Eurer Unterschrift – dafür einfach diese Liste ausdrucken und gleich auch noch weiter in Eurem Haus, im Freundeskreis etc sammeln 😉
https://www.klimaneustart.berlin/wp-content/uploads/2020/07/200721_Unterschriftenliste-zur-Volksinitiative_final.pdf
und gerne auch weiter diese Info in Euren Netzwerken streuen – lieben Dank auch von meiner Seite für Eure Unterstützung! Die Erfolge des Französischen Klimabürgerrates und die der in Irland haben gezeigt, wie wirkungsvoll dieses Instrument sein kann.
Mehr zum Thema Bürgerrat inklusive der dazu gelaufenen Webinare von „Mehr Demokratie findet Ihr z.B. hier 🙂

Außerdem möchte ich Euch eine bewegende Nachricht von einem Mitstreiter aus meinem Klimabewegungsnetzwerk mitgeben und ermutigen Euch auch dort mit ein zubringen – und sei es nur mit einem Weiter Verbreiten dieses Blogbeitrages und/ oder der Tweets..
Ich selber wollte eigentlich bei der Demo letzten Sonntag in Keyenberg (nicht weit von Köln und Aachen) dabei sein, bin nun aber leider weiterhin hier in Münster bei meinem Eltern mit Diversem eingebunden und versuche das Ganze auf meine Weise zu unterstützen…

Vielleicht einige Ideen auch für Euch….;-)
– die Firma anschreiben, der die eingesetzten Bagger gehören und sie z.B. auf den schlechten Einfluss für ihr Geschäftsimage hinweisen…
https://www.luecker-viersen.de/ (bei einem ähnlichen Fall im Hambi hat es dazu geführt, dass die betreffende Firma ihre Maschinen abgezogen hat!
– spenden, z.B. hier https://www.alle-doerfer-bleiben.de/spenden/
– z.B. Ortsschilder ausdrucken und und bei Videokonferenzen im Hintergrund verwenden
– bei Aktionen vor Ort mit dabei sein und/ oder andere darüber informieren…..
– …

Das Ganze geht mir besonders zu Herzen, auch weil ich die letzten Jahre bei diversen Klimacamps die unvorstellbare Situation vor Ort rund um den Hambi nahe der Abbruchkante auch im Gesprächen mit vielen Betroffenen der (Zwangs)Umsiedlungen und der Abbaggerung in ihren unmenschlichen und insgesamt unverantwortlichen Facetten kennen gelernt habe….und auch die internationale Signalwirkung von den aktuellen EntscheiderInnen anscheinend noch zu oft unterschätzt wird…

U.a. wird dort übrigens auch wertvollster Ackerboden quasi vernichtet – Humus, den wir dringend u.a. für unsere Ernährung benötigen – gerade in Coronazeiten, die uns gezeigt haben, wie schnell globale Versorgungsketten einbrechen können…
lg + bleibt gesund, Carla

„wie viele von euch wissen, kämpfe ich seit Jahren gegen die (Braun-)Kohle in Deutschland. vor allem die riesigen Tagebaue im Rheinland. Dort, wo Ende Gelände, die Besetzung des Hambacher Waldes und andere Aktionen gegen Kohle in den letzten Jahren stattgefunden haben.
Deshalb schreibe ich euch heute: Am vergangenen Montag hat der Kohlekonzern RWE begonnen, die Landstraße L277 am Tagebau Garzweiler zerstören.
Für die Menschen, die dort in den Dörfern leben, ist diese von Bäumen gesäumte Verbindungsstraße zwischen den Dörfern der letzte Schutz vor dem Kohlebagger, die letzte Grenze, die RWE überqueren muss, um ihr Zuhause abzureißen. Die Bagger sind jetzt ganz in der Nähe.
Ich war in der letzten Woche im bedrohten Dorf Keyenberg und nachts in meinem Bett habe ich dieses unheimliche, hohle Geräusch des Schaufelradbaggers gehört, der sich unablässig auch mich zufrisst. Für die Menschen, die hier leben ist das schrecklich. Wir haben erst am vergangenen Sonntagabend nach unserer kraftvollen Demo auf der L277 erfahren, dass RWE mit der Zerstörung der Landstraße schon in der Morgendämmerung beginnen will.

Mit einer Freundin habe ich ab halb fünf Uhr morgens an einem Ende der Straße bei Keyenberg die Mahnwache besetzt. Einen Kilometer weiter die Straße runter hielten zahlreiche Menschen die ganze Nacht einen Gottesdienst ab, bereit, die Zerstörung am nächsten Morgen zu blockieren.
Plötzlich tauchten pünktlich um fünf Uhr zwei große Abrissbagger auf dem Tagebauwall auf, bewacht von privaten Sicherheitskräften und Polizist*innen. Sie fuhren direkt an uns vorbei, auf den Anfang der Landstraße zu. Ich zitterte vor Wut und Ohnmacht. Die Bagger begannen sofort, mit ihren Schaufeln die Straße aufzureißen.
Ich zögerte ? und rannte.
Den Rest sehr ihr hier: https://twitter.com/ParkPilger/status/1285056943007109120
(und ja, es war mein verdammter Geburtstag <https://twitter.com/InfoEndCoal/status/1285084043529392129>
und ich hatte nicht vor, ihn so zu feiern! =)
Und dann saß ich auf dem Bagger, wie ein besiegtes Monster sackte der Baggerarm unter mit ab! Ich war unvorbereitet, aber entschlossen. Für vier Stunden standen beide Bagger still, die Zerstörung war blockiert! Ich hatte nicht vor, der Held des Tages zu werden und ich gebe darauf nicht viel.

Wichtig war das Signal an RWE, die Politik und vor allem die Menschen hier vor Ort. So waren für mich die bewegendsten Momente danach die Nachrichten und Gespräche mit Dorfbewohner*innen, voll Hoffnung, Dankbarkeit und Zuversicht. In den folgenden Tagen gab es bewegende Szenen, Proteste, Sitzblockaden, Ankettaktionen, Nachtwachen mit Gebeten, Menschen, die vor die Bagger rannten, Einheimische, die die Polizei und die Arbeiter*innen anschrien und weinten.
Gestern haben sich rund 60 Leute super kurzfristig einer Ende Gelände Aktion angeschlossen, um die Zerstörung zu stoppen.

Viele Dörfer sind in den letzten Jahren bereits zerstört worden. Aber die Menschen in den verbleibenden sechs Dörfern haben begonnen, sich zu rganisieren.
Nicht alle von ihnen können den einschüchternden Methoden eines übermächtigen Konzerns standhalten. Aber immer mehr tun es. Sie sind entschlossen zu bleiben. Angesichts der weltweiten Empörung in Zeiten der eskalierenden Klimakrise werden  hierzulande und anderswo Menschen immer noch gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben: wegen Kohle. Der Asphalt der Straße ist bereits abgerissen.
Aber die Bäume stehen noch und für uns ist es immer noch eine Linie, die wir halten werden, eine Grenze, die die Bagger nicht passieren dürfen.
Die Kohle unter diesen Dörfern muss im Boden bleiben. Es gibt viele Möglichkeiten, für Klimagerechtigkeit zu kämpfen. Ich persönlich habe mich entschieden, dass diese Dörfer der richtige Ort dafür sind und ich werde hierher ziehen.

Einige Leute fragen mich: „Was ist eure Strategie dahinter?“ Die deutsche Bundesregierung hat gerade ein Kohlegesetz unterzeichnet, das den Kohleabbau und die Zwangsräumung von Hunderten von Menschen bis 2038 erlauben soll.
Im Moment gibt es also kaum politische Hebel. Doch wir können die Zerstörung direkt hier vor Ort stoppen, gegen das Gesetz klagen, den Druck erhöhen. Und das werden wir tun.
Den ganzen Sommer über, bei der Aktion Ende Gelände am 27. September und bis der Tagebau und die Kraftwerke endgültig stillstehen.

Für mich zählen gerade nicht mehr Möglichkeitsfenster, smarte Ziele und all das. Ich weiß, dass ich mit diesen Dorfbewohner*innen zusammenstehen und kämpfen möchte. Und dass wir diese Zerstörung einfach NICHT zulassen dürfen. Die Bilder der letzten Tage haben viele Menschen aufgeweckt, immer mehr Menschen aus ganz Europa strömen in Richtung der Dörfer, um zu helfen. Im Moment gibt es eine Schlafwiese und eine Dauermahnwache an der L277, wir planen Dorfspaziergänge, Demonstrationen, Blockaden und Partys in den nächsten Monaten, es wird ein langer Sommer. Wir haben eine Aktionsküche, die auf einem Bauernhof kocht, Menschen, die ihre Häuser und Gärten für Aktivist*innen öffnen, eine Bäckerei, die uns unterstützt, Landwirt*innen, die Gemüse von den Feldern bringen.
Ein neues Gartenwohnprojekt wird eröffnet, weitere Wohnprojekte werden die kommenden Wochen starten, die Leute ziehen hierher.

Es fühlt sich an wie der Anfang von etwas Großem. In den kommenden Monaten und Jahren wird dieser Ort ein anderer Hambi, ein neues Wendland werden. Wenn ihr dem Kampf folgen und ihn unterstützen möchtet: Wir verwenden die Hashtags # L277 #AlleDörferBleiben #AllVillagesRemain
Kommt vorbei, schreibt mir gerne, ich freue mich auf euch die Dörfer zu retten und für Klimagerechtigkeit zu kämpfen! Kämpferische Grüße Alex